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Autor Thema: Neues zur Katalonien-Krise  (Gelesen 34071 mal)

Offline Nunki

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Antwort #150 am:
20, Oktober, 2019, 10:57:44
DEIN schönes Barcelona??
Mensch, Herbstzeit!

Mein Hausarzt!
Mein Zahnarzt!
Mein Formentera!

Dem Sinnverständnis nach bezeichnet `mein´ in diesen Fällen doch nicht Besitz, sondern auch eine Verbundenheit.
Sprache verrät! Immer!

Offline herbstzeit

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Antwort #151 am:
20, Oktober, 2019, 14:16:52
Is ja gut, is ja gut...!  ;;)
"Und wenn wir die ganze Welt durchreisen, um das Schöne zu entdecken: Wir mögen es in uns tragen, sonst finden wir es nicht."

(Ralph Waldo Emerson)

Offline Paradiesvogel

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Antwort #152 am:
28, Oktober, 2019, 19:22:40
Gestern fanden in Katalonien zwei große Motor-Rallyes statt, eine für und eine gegen die Unabhängigkeit.
Den ganzen Tag fuhren Tausende von Autos, Motorräder, Traktoren usw entlang der großen Straßen Richtung Barcelona.
Dort trafen am am Abend etwa 350.000 Leute zum Protest gegen die langen Haftstrafen für ihre Politiker und für die Unabhängigkeit Kataloniens ein - bereits eine Woche voller Proteste!
Die Rallye gegen die Unabhängigkeit war relativ klein im Vergleich.

Die Proteste der Massen verlaufen stets friedlich, aber in den Nächten kommen dann gewalttätige Randalierer und liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei (ähnlich wie damals in Hamburg bei G7).

Wir sitzen ja zurzeit automäßig auf unserer Finca fest, da der einzige Zufahrtsweg vor einer Woche durch ein Unwetter zerstört wurde, konnten aber zumindest die Rallyes entlang der N 420 gut mit dem Fernglas beobachten. In unserem Dörfchen (große Mehrheit für Unabhängigkeit) war und ist alles friedlich  :)

Offline Paradiesvogel

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Antwort #153 am:
05, November, 2019, 20:46:24
Am 10. November sind ja in Spanien vorgezogene Neuwahlen, da derzeit keine Regierungsbildung mit Mehrheit möglich ist.
Der amtierende President Sanchez, der zuvor mittels der Unterstützung der katalonischen Unabhängigkeitsparteien in sein Amt gekommen war, hat sich nun im Wahlkampf strikt gegen diese positioniert.
Er versprach den Wählern im TV das er dafür sorgen werde dass Carles Puigdemont nach Spanien verbracht und vor Gericht angeklagt werde (ob durch Kidnapping oder in welcher Weise auch immer blieb dabei offen  :D); außerdem werde er ein Strafgesetz verabschieden, wonach alle weiteren Referenda in Katalonien ein für allemal als kriminell anzusehen seien.
Man kann sich vorstellen, wie das in Katalonien ankommt!
Auch die linke Podemos Partei kritisierte Sanchez dafür, während die Rechten in der PP die Wiederaktivierung der Notstandsgesetze forderten.
Es wird bestimmt eine interessante Wahl, aber es zeichnet sich wohl ein Trend zu einer gespaltenen Gesellschaft ab, wie wir sie aus UK bereits kennen, und wie sie auch in D stärker in Erscheinung tritt, insbesonder aber mit fehlenden klaren Mehrheitsverhältnissen  :-?

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Antwort #154 am:
09, November, 2019, 10:23:50
Nach den Prognosen für die morgigen Wahlen in Spanien ergäbe sich folgendes Bild:

https://www.politico.eu/europe-poll-of-polls/spain/

Demnach würden die Sozialisten des regierenden Ministerpräsidenten Sanchez zwar stärkste Partei aber ohne Regierungsmehrheit (wie vor der Wahl).
Die der deutschen CSU entsprechende PP würde zweitstärkste Partei.
VOX, die spanische AfD, käme auf starke 14 % und wäre erstmals stärker als die der deutschen LINKEN entsprechende PODEMOS.
Die der deutschen FDP entsprechende CS läge bei 9 % und die katalanischen Unabhängigkeitsparteien ERC, CUP und JUNTSCAT lägen je zwischen 1 bis 4 %.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo der Wählerwillen bezüglich linker und rechter Populisten insofern ignoriert wird als die anderen Parteien üblicherweise sowohl Zusammenarbeit als auch Koalitionen ablehnen, sind in Spanien derartige Zusammenarbeiten mit allen Parteien möglich.

Wird also spannend!

Offline Paradiesvogel

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Antwort #155 am:
10, November, 2019, 18:03:00
Bei der vierten Wahl in nur vier Jahren stimmen die Spanier über die Parlamentswahl ab. Nach einer Kampagne, die sich hauptsächlich mit Katalonien und der Bewältigung der Unabhängigkeitskrise befasste, nahmen am heutigen Sonntag Millionen an den Wahlen teil. Die Wahlbeteiligung dürfte diesmal aber etwas geringer ausfallen als beim letzten Mal; allerdings sind die Wahllokale noch bis 20 Uhr geöffnet. Bisher blieb es in Katalonien am Wahltag friedlich. Die Spaltung der Parteien in der Katalonienfrage wird die Bildung einer neuen Regierung, und damit die politische Stabilität des Landes, genauso erschweren wie in der Vergangenheit. Einige der rechten sowie der konservativen Parteien fordern sogar ein gesetzliches Verbot aller Parteien deren Ziel eine Unabhängigkeit einer Region ist (betrifft vorwiegend das Baskenland und Katalonien).
Sobald die ersten Hochrechnungen kommen, werden wir ein genaueres Bild haben.


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Antwort #156 am:
11, November, 2019, 10:56:40
Und hier die Wahlergebnisse der gestrigen Wahl aus katalanischer Sicht: Die Unabhängigkeitsparteien haben insgesamt hinzugewonnen und ihre Mehrheit im Regionalparlament ausgebaut.

Nachfolgend eine Zusammenfassung aus 'Catalan News' vom heutigen Tage:

Nach fast vollständiger Auszählung der Stimmen setzte sich Esquerra Republicana (ERC) bei den spanischen Parlamentswahlen am Sonntag erneut bei den für Unabhängigkeit stehenden katalanischen Parteien durch, obwohl es zwei Sitze auf 13 Sitze verlor.

Nachdem Pedro Sánchez 'Sozialdemokratische Partei die Wahl gewonnen hatte, ohne jedoch eine Mehrheit zu haben, belegten die katalanischen Sozialdemokraten (PSC) den zweiten Platz und hielten an den zwölf Sitzen fest, die sie bei den letzten Parlamentswahlen vor etwas mehr als sechs Monaten am 28. April gewonnen hatten.

Obwohl der ERC zwei Sitze verlor, stieg der Unabhängigkeitsblock des Kongresses von April an. Junts per Catalunya erhöhte seine Sitzanzahl auf 8 (plus 1) und der CUP der äußersten Linken trat zum ersten Mal mit in das spanische Parlament ein 2 Sitze.

Unter ihnen haben die drei Unabhängigkeits-Parteien jetzt insgesamt 23 Sitze im spanischen Parlament, was unter der 50% -Schwelle aller für Katalonien verfügbaren Sitze liegt, aber ein Allzeithoch bei einer spanischen Wahl.

Die Linke En Comú Podem hielt an ihren sieben Sitzen fest und belegte den vierten Platz unter den katalanischen Parteien, während die Gewerkschaftsparteien auf der rechten Seite - Volkspartei, Ciutadans und Vox - jeweils zwei Sitze im Kongress bekamen.

Obwohl Ciutadans, der katalanische Zweig der Ciudadanos-Partei (Cs), mit 36 ​​Sitzen die wichtigste Oppositionspartei im katalanischen Parlament ist, bedeutet die schlechte Leistung von Cs bei den spanischen Wahlen, dass der ERC jetzt mehr Sitze im Kongress hat.


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Antwort #157 am:
11, November, 2019, 11:26:29
Während die katalanischen Proteste hundertausender Menschen in der Vergangenheit überwiegend friedlich verliefen, hat sich seit einiger Zeit eine neue Bewegung jüngerer und radikalerer Katalanen gebildet die sich TSUNAMI DEMOCRATIC nennt. Diese Gruppe verlegt sich auf die Blockade von Flughäfen, Straßen und anderen wichtigen Orten und hat gerade die Hauptverkehrswege zur französichen Grenze blockiert. Das kann ein ungemütlicher Herbst/Winter werden:

https://www.catalannews.com/

Offline Paradiesvogel

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Antwort #158 am:
13, November, 2019, 22:01:20
Der überraschend schnelle Bruderkuss zwischen dem sozialistischen Premier Sanchez und dem Vorsitzenden der linken Podemos, Iglesias, wird wohl nun zu einer Koalition führen im Hinblick auf eine Regierungsbildung bei der Sanchez Premier bleibt und Iglesias sein Vize wird.
Eigentlich hätte man das bereits nach der letzten Wahl im April dieses Jahres haben können, mit sogar beidseitig ein paar mehr Sitzen im Parlament! Scheiterte damals aber am Postengeschachere.
Aber, eine Mehrheit hat die zu erwartende Koalition nicht, und so wird man (wie bereits zuvor) auf die Unterstützung der Unabhängigkeitsparteien, sowohl von Katalonien als auch vom Baskenland, angewiesen sein.
Dies wird wieder irgendeinen Preis haben, aber hoffentlich zu einem besseren Ergebnis führen als letztes Mal.

Meine Prognose ist, dass Sanchez die Einheit der Nation und die Bedeutung der Verfassung betonen wird, während Iglesias sich um konstruktive Gespräche zwischen Spanien und Katalonien kümmern wird.
Dabei könnte dann etwas mehr Autonomie und Steuergerechtigkeit für Katalonien herauskommen, ähnlich wie bereits fürs Baskenland erreicht.
Eine Unabhängigkeit würde man weder ausschließen noch befördern, aber eben doch auf die längere Bank schieben, und so könnten vielleicht beide Seiten ein paar Jahre friedlich miteinander verbringen.
Es lebe die Adventszeit und das Licht für die Welt!  (*)

Offline Paradiesvogel

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Antwort #159 am:
26, November, 2019, 10:18:01
Wie zu erwarten war, haben nun die beiden großen Unabhängigkeitsparteien 'Esquerra' und 'Junts per Catalunya'  Verhandlungen zwischen der katalanischen und der spanischen Regierung über die Krise in Katalonien gefordert, und zwar ohne Vorbedingungen, damit sie in Gegenleistung das sozialistische Präsidentschaftsstreben der linken Minderheitskoalition unterstützen. Esquerra-Mitglieder stimmen heute über ihre Haltung ab. Junts per Catalunya fordert auch einen internationalen Vermittler für diese Gespräche.
[Aus Catalan News vom heutigen Tage]





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