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Autor Thema: Droht ein Bürgerkrieg in Katalonien?  (Gelesen 19358 mal)

Offline Paradiesvogel

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am:
21, September, 2017, 19:11:03
Am 1. Oktober soll ja das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien durchgeführt werden, und wie wir aus den Nachrichten sehen, geht die spanische Zentralregierung mit Polizeigewalt massiv gegen dessen Durchführung vor und will 'unter allen Umständen' eine Unabhängigkeit Kataloniens verhindern. Dass nicht verhandelt wird, beunruhigt mich sehr, denn sehr leicht kann der nun unterdrückte Volkeswille der stolzen Katalanen in Widerstand und auch Gewalt münden. Aus Katalonien, und insbesondere Barcelona, ging ja 1936 die erste erfolgreiche Revolution Westeuropas hervor und wurde nur mit brutaler Militärgewalt durch die Faschisten aus Deutschland und Italien zusammen mit Franco niedergeschlagen. Ich glaube, dass manche Wunden aus dieser Zeit und der nachfolgenden Militärdiktatur in Spanien bis heute nicht verheilt sind und viele Katalanen die jetzige Polizeigewalt gegen ihr Vorhaben mit bösen Erinnerungen verbinden. Ich hoffe sehr, dass doch noch eine friedliche Lösung gefunden werden kann. Unter dem Dach der EU sollte doch mehr die Freiheit als die Unterdrückung gefördert werden.

Offline lenamar

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Antwort #1 am:
21, September, 2017, 23:13:24
Aus Katalonien, und insbesondere Barcelona, ging ja 1936 die erste erfolgreiche Revolution Westeuropas hervor

Nun ja, was "die erste Revolution" war, darüber könnte man streiten. Die meisten denken vermutlich an die Französische Revolution, immerhin rund 150 Jahre zuvor.
Manche bezeichnen auch die Pariser Kommune von 1870 als die erste "proletarische Revolution".
Und "erfolgreich", nun ja, es folgten 3 Jahre Bürgerkrieg und dann fast 40 Jahre Franco-Diktatur.

Wie auch immer, militärische Auseinandersetzungen sehe ich - noch - nicht kommen.
Aber eine Art Staatskrise kann es schon werden, Ausgang auch noch ungewiß.

lg lenamar
Je suis Charlie.

Offline Paradiesvogel

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Antwort #2 am:
24, September, 2017, 12:04:41
Die spanische Zentralregierung hat die Konten Kataloniens gesperrt sowie diverse Websites der Landesregierung und Behörden blockiert. Ferner wurden sämtliche lokalen Polizeieinheiten dem direkten Befehl des spanischen Innnenministers unterstellt und etwa 4000 weitere Bundespolizisten nach Katalonien entsandt.
Der katalonische Innenminister, Joaquim Forn, hat der Unterstellung seiner lokalen Polizeieinheiten unter das Kommando der Zentralregierung widersprochen und wird seine Befehlsposition nicht aufgeben.
So stehen sich derzeit etwa 9.000 Bundespolizisten und etwa 17.000 lokale Polizisten (Mossos) gegenüber und niemand weiss so recht, wie sich die Situation bis zum nächsten Wochenende weiter entwickeln wird.

Offline Paradiesvogel

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Antwort #3 am:
27, September, 2017, 15:50:55
Ab Sonntag wissen wir dann mehr.
Gestern hat sich der spanische Premierminister Rajoy noch die Unterstützung von President Trump eingeholt, nachdem er seinerseits zuvor diesem Unterstützung gegenüber Nordkorea und Venezuela zugesagt hatte.
Trump meinte, in freier Übersetzung,: "Ich bin für ein vereinigtes Spanien. Wenn man genaue Zahlen und Wahlergebnisse hat, würde man sehen dass sie (die Katalanen) Spanien lieben. Sie wären dumm es nicht zu tun!"
Ich persönlich bezweifle allerdings, dass für die Katalanen diese Trump-Aussagen Gewicht haben, zumal dieser doch sonst so sehr den Nationalstolz in den Vordergrund stellt.
Bleibt also spannend, auch für alle, die nach dem Referendum oder dessen Verhinderung einen Zwischenstopp in Barcelona haben, oder, wie ich, die Autofähre Mallorca-Barcelona öfter nutzen...

Offline Hansheinrich

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Antwort #4 am:
27, September, 2017, 17:17:36
Ich finde, daß hier ein bißchen zuviel Panik verbreitet wird.

Sooooo schlimm wird es mit Sicherheit nicht werden, daß es sogar zu Kampfhandlungen und kriegerischen Streitigkeiten zwischen Spaniern kommt.
Es wird ja wohl noch auf beiden Seiten genügend einigermaßen vernünftige Leute geben, die eine solche Zuspitzung verhindern werden.

Vielleicht sollte man einfach mal abwarten und die Spanier ihren Weg gehen lassen anstatt als Ausländer den Teufel an die Wand malen.

Ganz ehrlich !!!!!

Heinrich   



Offline Paradiesvogel

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Antwort #5 am:
27, September, 2017, 18:52:48
Ja gut also, wir warten ja alle brav ab und hoffen das Beste.
Die harte Terminologie kommt von den Inländern selbst und weniger von den Ausländern:
https://politica.elpais.com/politica/2017/09/22/actualidad/1506093243_142437.html

Offline herbstzeit

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Antwort #6 am:
28, September, 2017, 02:20:56
Ja gut also, wir warten ja alle brav ab und hoffen das Beste.
Was wolltest Du auch anderes tun?

Die harte Terminologie kommt von den Inländern selbst und weniger von den Ausländern:https://politica.elpais.com/politica/2017/09/22/actualidad/1506093243_142437.html

Aleix Esparagó, lebt selbst in Andorra, einem Steuerparadies, befindet aber über Recht und Unrecht "Demokratie" der Katalanen....
Das Referendum ist Antikonstitutionell und basta! Spanien ist eine Nation, wenn sich Katalonien abspaltet, ist der Nächste in der Reihe das Baskenland...., dann kann der Rest Spaniens sehen, wo es bleibt!

Was hältst Du davon, wenn sich Bayern von Deutschland abspalten würde (/n dürfte)?

Was soll der  ganze Blödsinn? Wir zielen auf ein "Europa" hin und nun sollen überall wieder "kleine Fürstentümer" entstehen?

Hast Du eigentlich mal recherchiert, wie viele Millionen Euro Katalonien der Zentralregierung, also Spanien, schuldet? Tauche mal ein in die ganze korrupte Sülze und recherchiere mal, wie all dieser Müll entstanden ist. 
"Reisen macht bescheiden. Es lässt dich erkennen, was für einen winzigen Platz in der Welt du einnimmst."

(Gustave Flaubert)

Offline Spezies8472

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Antwort #7 am:
28, September, 2017, 07:33:25
Moin,
ich glaube bei dieser Abspaltungsnummer gehts nicht um Konstruktivität oder irgendwelchen Schulden. Dieses Ausleben des fanatischen Nationalstolzes ist ähnlich zu sehen, wie das fanatische Ausleben einer Religion. Vom Prinzip her ganz einfach: finde genug verrückte und/ oder fanatische Anhänger. Die wiederum ziehen die unzufriedene Bevölkerung mit. So eine Bewegung kann man durch Gewalt erreichen oder halt durch fanatisches nationales Aufpeitschen der " blinden" Masse. Das hat früher schon so funktioniert, das geht jetzt immer noch. Wenn dann noch die zu ordnenden Organisationen ( Polizei, etc ) ihrer Aufgabe warnehmen und sich damit auf die gegnerische Seite stellt. Dann fehlt nur ein Fünkchen, ein Fehlverhalten der Ordnungsmacht und die " blinde" Masse schäumt. Ja, ...da könnten dann durchaus Bürgerkriegs ähnliche Zustände entstehen.
Diese Nationalstolzfrage gährt hier schon lange und kommt immer wieder. Für mich absoluter Tineff. Bei allen Verständniss für die Francozeit...Selbst auf Mallorca ist das immer wieder nen Tema. Diese Nationalisten schauen nicht über den Tellerrand. Der Tellerand ist denen auch egal. Dort exestiert zB. nur die Balearen, der Rest ist weiss auf der Landkarte. Leider haben solche Leute hier und auf dem Festland viele Anhänger.
Ob die situation eskaliert hängt von den oben genannten Faktor ab ( falsche Bewegung der Ordnungsmacht). Sollte es irgendwann zu einer blödsinnigen Abspaltung kommen, sehe ich es wie Herbszeit: Das macht Schule und Spanien zerbricht.
Der europäische Gedanke ist bei denen soweit weg wie der Abstand Erde zum Pluto..
Man wird sehen, wie viele vernünftige Menschen da noch klar denken....man kann nur hoffen.
die Spezies

Offline Hansheinrich

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Antwort #8 am:
29, September, 2017, 09:26:17
Was hältst Du davon, wenn sich Bayern von Deutschland abspalten würde (/n dürfte)?

Oder Sachsen ????   :-?

Heinrich  ;)

Offline Roemer

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Antwort #9 am:
29, September, 2017, 11:10:50
Tjaja ..... der Nationalstolz endet dann doch meist beim wirtschaftlichen Wohlbefinden. Aus Jugoslawien wurde viele kleine Einzelstaaten, die CSSR hat sich geteilt, die Schotten wollen Single werden und nu die Katalanen.

Aber ALLE wollen sie in die EU bzw. drin bleiben !!! Und das bedeutet wieder partiell Unabhängigkeit abgeben. tststs ...

Offline Paradiesvogel

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Antwort #10 am:
29, September, 2017, 11:57:00
Neben dem wirtschaftlichen Wohlbefinden sind es auch Ethnien, die sich zusammengehörig oder inkompatibel empfinden. Aber wenn man die hier im Thread weiter angeführten Themen vom Baskenland bis Bayern behandeln wollte, käme man wohl weit von der Ausgangsfrage weg. Ich bin oft in Katalonien und kenne dort viele Leute (pro und kontra Unabhängigkeit) und bin vielleicht daher selbst persönlich angespannt von der Entwicklung.
Ministerpräsident Rajoy hat ja sogar seine Teilnahme am EU Gipfel in Tallinn wegen Katalonien abgesagt. Die Verteidigungsministerin hat durch die Blume verkündet, das Militär sei zu Lande zu Wasser und in der Luft zur Verteidigung der Demokratie, der Verfassung und der territorialen Integrität Spaniens da, und Tausende Polizisten der Guardia Civil warten im Hafen von Barcelona in Kreuzfahrtschiffen auf ihren Einsatz. Da scheint schon ein starker und konfrontativer Ernst in der Lage zu stecken.
Trump hat pro Spanien Stellung bezogen, Putin hält sich mit "innerstaatliche Angelegenheit" zurück, verbreitet aber über seinen Propagandakanal RT die Nachricht, dass bereits am 3. Oktober bei Mehrheit des "SI" die Katalanische Republik ausgerufen werde.
Nachdem die Stimmzettel und Wahlurnen bereits vor Tagen von der Guardia Civil beschlagnahmt wurden und alle Druckereien unter Polizeibewachung stehen, ist mir unklar ob und wie ein Referendum überhaupt durchgeführt werden kann und wie man dessen Ausgang ermitteln will.
Bleibt also sehr spannend, aber vielleicht vermittelt die EU ja noch zwischen den Streitparteien, wie es der Bürgermeister von Barcelona dort erbeten hat.

Online margit

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Antwort #11 am:
29, September, 2017, 14:57:18
Dazu heute im TV ARTE 19.40 Uhr
Reportage " Streit um Katalonien - eine Nonne kämpft für die Unabhängigkeit "


Online margit

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Antwort #12 am:
29, September, 2017, 19:02:10
ARTE - Programm anscheinend abgeändert, heute nicht mehr im Programm  :-?

Offline Pinguin

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Antwort #13 am:
30, September, 2017, 07:05:00
Der Bericht über die Nonne lief bereits am Montag.

Offline Paradiesvogel

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Antwort #14 am:
30, September, 2017, 10:53:17
Einen Tag vor dem Showdown zeichnet sich kein Einlenken der Streitparteien ab und der Zug der Konfrontation scheint in voller Fahrt zu bleiben.
Die Landesregierung in Katalonien hat die beschlagnahmten Wahlurnen mit einer Lieferung aus chinesischer Quelle ersetzt und will 2.315 Wahlstationen mit 7.235 Freiwilligen einrichten, hauptsächlich in Schulen, Krankenhäusern und anderen öffentlichen Einrichtungen, die schwer zu schließen sind.
Eltern und Schüler haben in den Schulen gestern und heute und morgen Tag- und Nachtfeste und Veranstaltungen angesetzt, damit die Schulen nicht so leicht geschlossen werden können.
Die lokalen Polizeieinheiten der Mossos sind angewiesen die Wahl zu schützen, während die paramilitärische Guardia Civil der Zentralregierung die Wahl verhindern und die Wahllokale schließen soll. Ein echter Konflikt für die Polizeieinheiten!
Ferner hat die Zentralregierung die Serverstationen der Landesregierung, auf denen das Abstimmergebnis ausgewertet werden soll, blockiert. Russische Hacker haben angeblich einen Teil der Websites der Landesregierung wieder zum Laufen gebracht - sehr skurrile Züge hat das mittlerweile.
Die meisten der etwa 10.000 Polizeieinheiten der Zentralregierung sind auf Kreuzfahrtschiffen im Hafen von Barcelona untergebracht.
Diese Konzentration birgt natürlich auch Risiken, denn wenn es den mit schweren Taktoren angereisten katalanischen Bauern gelingen sollte, die Ausfallstraßen vom Hafen zu blockieren, müssten die Polizisten quasi zu Fuß zu ihren Einsätzen gelangen.
Für Tourismus und Investitionsklima ist diese Zuspitzung natürlich schlecht und die Ratingagentur Moody's hat oder wird wohl das Credit Rating für Spanien etwas herabstufen.





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