Autor Thema: Menschenverachtendes neues Gesetz  (Gelesen 2772 mal)

Offline meerbrise

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Antwort #15 am:
19, Februar, 2012, 23:59:51
Zehntausende Spanier haben gegen die Arbeitsmarktreform der neuen Regierung
protestiert.


Ein Demonstrant:
“Die Leute verstehen das so: Man nimmt den Eltern ihre Jobs weg und gibt sie ihren Kindern – zum halben Lohn.”

Quelle: 2012 euronews[/color]


http://de.euronews.net/2012/02/19/massenproteste-gegen-spaniens-arbeitsmarktreform
der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln

Payés

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Antwort #16 am:
20, Februar, 2012, 07:20:52
Ein Demonstrant:
“Die Leute verstehen das so: Man nimmt den Eltern ihre Jobs weg und gibt sie ihren Kindern – zum halben Lohn.”


Erklär mir mal, wie man das macht. Sind denn nun auch die Convenios ungültig ? Das verschenke ich wohl viel Geld.

Ja, und dann die Kündigungen für billig Geld (ich kenn ja Deine Vermögensverhältnisse nicht. Für mich sind 30 000 ein Klotzen Geld ) . Ich kündige also jemandem, zahle dem 30 000 bis 40 000 Euros Abfindung und stelle dann den Sohn ein und habe den selben Tarif in der Nomina. Sehr rentabel.

Dieter

 

 

Offline mitglied11094

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Antwort #17 am:
20, Februar, 2012, 09:30:49
Hallo Ewald,

gerne beantworte ich mit der gleichen Ernsthaftigkeit Deine Frage, in der Du sie ja auch gestellt hast. Der Einfachheit halber baue ich dabei auf den von Dir bereits angerissenen Punkten auf. Konkurrenzfähig wird man also z. B., indem die Politik:

- die Unternehmen die bereits für die Arbeitnehmer gebildeten Indemnizacions-Rückstellungen, die nun ja nicht ausgezahlt werden sollen, für Investitionen statt für das Schweizer Konto des Chefs zu verwenden verpflichtet. Dies schließt eine Stärkung der angesprochenen sozialen Sicherungssysteme natürlich nicht aus.
- sich der noch bestehenden Defiztite im Bildungssystem bewußt wird und diese auszugleichen versucht.
- in puncto Rechtssicherheit auf dem eingeschlagenen Weg weitergeht, juristisches Fehlverhalten auch von führenden Politikern und Immobilieninvestoren rigoros zu ahnden, um so das internationale Vertrauen zu stärken.
- die in Ansätzen bereits erfolgte Vereinfachung der Verwaltungsprozesse wie der gegenüber Deutschland hervorragenden Möglichkeit der Internet bearbeitung von Anträgen fortsetzt.
- die in Jahrhunderten gewachsenen Verbindungen in weite Teile der Welt und die sprachlichen Vorteile (Spanisch gehört schließlich neben Englisch zu den absoluten Weltsprachen) für die Exportchancen zu optimieren versucht.
- zunächst auf eine Anpassung der Arbeitszeiten an den europäischen Durchschnitt verzichtet und die längeren Zeiten in Spanien beibehält.

Gerne gebe ich Dir auf Nachfrage weitere Detailvorschläge.
Generell würde ich aber als Nichtvolkswirt die Besinnung auf die eigenen Stärken und fremde Erfolge statt der Imitation fremder Fehler empfehlen. Ein schönes Beispiel ist das deutsche Kurzarbeitergeld, das das Halten der Mitarbeiter statt deren Entlassung förderte und zum jetzigen deutschen Wirtschaftswunder maßgeblich beitrug.
Statt dessen wird in Sanien momentan im Wettlauf um das niedrigste Lohnniveau noch gedopt. Ein Beispiel findest Du im trööt "Schwarze Zeiten für deutsche Arbeitslose". Die deutsche Telefongesellschaft lagert ein Callcenter ins Billiglohnland Mallorca aus. Die spanischen Telefongesellschaften operieren aber schon lange von Collcentern in Südamerika aus. Und wenn es da dann auch zu teuer scheint, dann gehen sie vielleicht nach Indonesien. Da wird ja auch spanisch gesprochen und bis China ist es dann wirklich nicht mehr weit.

Offline Vigoleis

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Antwort #18 am:
20, Februar, 2012, 15:20:41
Hier auf Spiegel Online gibt es einen aktuellen Artikel über die Lage in Spanien.
Nach langen Jahren des Neoliberalismus-Hurra-Patriotismus' gibt es beim Spiegel ab und zu auch mal wieder Artikel, die man ohne Würgreiz lesen kann.

V.
« Letzte Änderung: 20, Februar, 2012, 15:22:40 von Vigoleis »

Offline meerbrise

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Antwort #19 am:
21, Februar, 2012, 03:20:46
Ein Demonstrant:
“Die Leute verstehen das so: Man nimmt den Eltern ihre Jobs weg und gibt sie ihren Kindern – zum halben Lohn.”


Erklär mir mal, wie man das macht. Sind denn nun auch die Convenios ungültig ? Das verschenke ich wohl viel Geld.

Ja, und dann die Kündigungen für billig Geld (ich kenn ja Deine Vermögensverhältnisse nicht. Für mich sind 30 000 ein Klotzen Geld ) . Ich kündige also jemandem, zahle dem 30 000 bis 40 000 Euros Abfindung und stelle dann den Sohn ein und habe den selben Tarif in der Nomina. Sehr rentabel.

Dieter

@payes...Dieter, 100 pro bist Du in Bezug auf Politik und Wirtschaft mit all Deinem Wissen, Kenntnissen und Überschaubarkeit mir sehr weit überlegen.  >:D<
Dennoch bin ich der Auffassung dass sich Kündigungen der "Altverträge" für die AG sehr gut rechnen.

...möglicherweise aus dem Grund heraus, da ich mich auf der anderen Seite befinde ...bin AN mit unbefristetem Vertrag und Alleinerziehend.
Gerne, wenn diese  € 30.000 denn auch fliessen... ^:)^ lieber ist mir persönlich aber ein langfristig und sicherer Arbeitsvertrag. :-bd
Glücklicherweise habe ich einen sehr netten, fairen und tollen AG...dem ist die neue AM Reform egal .   (*)
Er könnte wenn er wollte aufgrund der wirtschaftl. Krisensituation argumentieren... 20 Tage usw.  ;)
...und er könnte z.B. meine Tochter einstellen... mit ganz anderem Tariflohn weil dieser ja nun sehr dehnungsbedürftigt ist, befristeter AV, Urlaubs - und Weihnachtsgehalt im Gehalt incl. ;-)

@ all: Das spanische Kabinett von Ministerpräsident Mariano Rajoy hat auf seiner Sitzung am 10.2.12 die Reform des Arbeitsmarktes ("mercado laboral") und eine Reform der Tarifverträge ("convenio colectivo") in Form eines Königlichen Gesetzesdekrets beschlossen.
 Quelle: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/maerkte,did=451540.html

Wünsche allen eine Gute Nacht

Rosi



 
« Letzte Änderung: 21, Februar, 2012, 03:24:02 von meerbrise »
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Payés

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Antwort #20 am:
21, Februar, 2012, 07:10:30
Ja meinst Du denn Rosi, es ist angenehm, alle Pub lang neue Verträge zu machen, was ja immer Kosten und Umstände verursacht, anstatt mit einem Personalstamm durcharbeiten zu können. Und wenn Du meinst, ein Zeitvertrag wäre billiger, -Irrtum. Die Abfindung, der Urlaubsanteil, die Paga extra  sind fällig, spätenstens mit dem finiquito. Das ist also Unsinn. Und die Tarife sind egal, oficial ist oficial und peon ist peon, ob indefinido oder final de obra. So ein Zeitvertrag ist nur besser kalkulierbar. Für Tarife sind die Sozialpartner zuständig, wozu gibt es die denn sonst. Allerdings nicht mit unseren verkrusteten Gewerkschaften mit den Strukturen aus der Francozeit. Da müßten schon fachkundige flexible Leute auf die Stühle, die sichüber die Mitgleider finanzieren und sich entsprechend Mühe machen. Ziel aller muss sein Arbeitsplätze zu sichern und nicht Versorgungsverträge zu erpressen. Ein Arbeitgeber kann doch nicht unterhaltspflichtig für einen einmal angestellten Arbeitnehmer sein.

Ich hätte viel lieber nur eine einzige Vertragsform, die von mir aus laufen kann, solange wie Arbeit ist, die aber auch bei Arbeitsmangel Kurzarbeit oder einen Unterbruch ermöglicht, ohne dass das ruinöse Kosten verursacht und die es ermöglicht, den Vertrag fortzusetzen, wenn es arbeitsmäßig möglich ist. Wie kann es den eine Firma, der es schlecht geht  schultern, darüberhjinaus noch Abfindugen zu entrichten anstatt mit dem Geld zu versuchen, den laden zu retten ? Die Versorgung der Betroffenen müßte halt versicherungstechnisch ognisiert werden, so wie das Schlechtwettergeld in Deutschland. Das gibt es doch alles schon, man müßte nur in der Arbeitswelt die Augen offen halten, anstatt Arbeitnehmer und Arbeitgeber gegeneinander aufzuhetzen. Es ist doch nicht Sinn der Sache, ständig das Personal zu wechseln. Wenn du die Leute dann angelernt hast und die kennen Dein Geschäft, dann setzt Du sie an  die Luft ? Das ist doch eine schwachsinnige Hypothese, die wieder dieses Bild vom fetten schikanösen Chef zeichnet, der seine Millionen in die Schweiz schiebt. So ein Blöldsinn. Wer schon mal mit schweizer Banken zu tun gehabt hat, weiß, wie teuer die sind und dass sie dem Geldverschieber genau die Beträge abkassieren, die er im Heimatland hätte entrichten müssen, die die Steuerbehörden der Heimatländer alljährlich über die Vermögenswerte des Geldverschiebers informieren, was nebenbei auch die deutschen Banken tun. Vorteil Schweiz: NULL. Die Bedingungen sind hier viel besser.

Dieter











Offline meerbrise

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Antwort #21 am:
22, Februar, 2012, 05:07:10
Danke Dieter...Ok... Du erklärst aus der Sicht des Unternehmers, des Arbeitgebers.
Erinnert mich daran was mein Vater mir vor knapp 35 Jahren, sozusagen als "roter Leitfaden" mit auf den Lebensweg gegeben hat:
Geht es Deinem Chef gut...geht es Dir auch gut ;-)
Funktioniert m.M.n. aber nicht wirklich.
Von meiner Schwiegermutter dagegen erhielt ich 1984 den "roten Leitfaden"....lerne zu klagen ohne zu leiden  ;)

Naja...und in diesem Fall:
Wie kann es denn eine Firma, der es schlecht geht schultern, darüberhinaus noch Abfindugen zu entrichten anstatt mit dem Geld zu versuchen, den laden zu retten
M.M.n. alle zusammen an den "grünen Tisch" keine Kündigung und demnach auch keine Abfindungen zu entrichten ;-) ...tja...und wenn das nicht klappt...dann gehen auch ALLE ZUSAMMEN unter ;-)

Dieter...die richtig Guten kann man eh nicht halten...
..sie sind nicht dumm...sie werden selber Chef  ;)

Ein Arbeitgeber kann doch nicht unterhaltspflichtig für einen einmal angestellten Arbeitnehmer sein
Ne...Unterhaltspflichtig nicht...eher sozial gebunden...und das m.M.n auch zu Recht, weil diese AN  man ja auch "getestet" hat...mit vorherigen befristeten Verträgen ;-

Lg
Rosi
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Offline Calagulla

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Antwort #22 am:
24, Februar, 2012, 06:56:01
M.M.n. alle zusammen an den "grünen Tisch" keine Kündigung und demnach auch keine Abfindungen zu entrichten ;-) ...tja...und wenn das nicht klappt...dann gehen auch ALLE ZUSAMMEN unter ;-)
Ein Betrieb der untergeht schaft keine Arbeitsplätze mehr.
Eine ungelernte Kraft anzulernen verursacht hohe Kosten, denn die Nomina ist genau so hoch wie die einer bereits vollwertig einsetzbaren Kraft. Gleicher Lohn ohne halbwegs gleicher Leistung stört jeden Betriebsfrieden. Deshalb ist die Arbeitslosenquote unter den Jugendlichen auch so hoch. Grüner Tisch finde ich Gut. Aber was macht ein Saisonbetrieb der aus sozialer Gesinnung die Kräfte 6 Monate einstellt, damit Diese im Winter Anspruch auf eine geringe Sozialleistung haben, wenn er sie aber nur 4 Monate in der vollen Anzahl braucht? Kann der AG es sich überhaupt noch Leisten sozial zu denken ohne die Wirtschaftlichkeit seines Betriebes zu gefährden?
Deshalb werden doch gerade in der Dienstleistungbranche Absprachen zu Lasten des AN getroffen (teilw. illegal ), nach dem Motto "wenn nicht dann lass es". Da aber der Tourismus eine der stärksten Einnahmequellen in dieser Wirtschaft ist, sollte die Politik den Weg ebnen um eine sozialverträgliche Gestaltung des Arbeitsmarktes zu ermöglichen. Wie? :-??

Calagulla   

Payés

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Antwort #23 am:
24, Februar, 2012, 07:58:45
Dieter...die richtig Guten kann man eh nicht halten...
..sie sind nicht dumm...sie werden selber Chef  ;)


Das, meine Liebe, bedeutet: Die Blöden arbeiten lohnabhängig, die Pfiffigen auf eigene Rechnung. Ist das nicht gewagt, die Klassengesellschaft nach Marx. Dazu gibts ja den Spruch: Die Schlauen leben von den Dummen und die Dummen von der Arbeit.

Dann zu den Zeitverträgen. Weshalb das denn alles. Weshalb kann ich nicht jemanden anstellen und arbeiten lassen, solange es geht, und wenn es mal weniger ist, dann in Kurzarbeit und wenn es mal gar nicht mehr geht, mal für eine Durststrecke beurlauben, und wenn es dann wieder bergauf geht, machen wir weiter und immer weiter. So geht es doch im Leben, mal bergauf, dann aber auch wieder mal bergab, überall auf der Welt. Kann ich den Arbeitsmarkt von so einem Naturgesetz abkoppeln ? Was macht denn der Bauer auf seinem Acker ? Hat der seinen Ernteertrag garantiert und wenn es Petrus nicht gefällt und die Ernte verhagelt, schickt der liebe Gott eine Abfindung, ja ??

Dieter







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Antwort #24 am:
24, Februar, 2012, 09:46:14
@Dieter,

ich gestehe Dir gerne zu, dass Du mehr Ahnung von Schweizer Schwarzgeldkonten hast als ich. Ich habe auch keine Ahnung, was die Tatsache, dass sich in Spanien die (vermeintlich) Cleveren schnell selbständig machen mit Karl Marx zu tun hat.

Ich weiß aber mit absoluter Sicherheit, dass ich die angeblichen "Natur"gesetze nicht auf unser soziales Zusammenleben und damit auch nicht auf die allgemeinen Arbeitsbedingungen angewendet haben möchte. In der Natur ist es völlig normal, dass die kleinen Fische von den großen gefressen werden. Früher gab es auch den Raubtierkapitalismus, in dem die Schwachen ohne jeden Schutz und ohne jegliche Absicherung blieben. Das hat sich aber Gott oder Gewerkschaft sei Dank geändert. In Deutschland haben wir nun eine SOZIALE Marktwirtschaft mit Arbeitgebern und -nehmern als SOZIALpartner. Genauso sieht es bisher auch in Spanien aus mit Arbeitnehmerrechten, fixiert in Gesetzen und in Kollektivverträgen.

Genau daran wird jetzt gerüttelt. Erst werden die Wähler belogen. Denn der Abbau der Abfindungen war einer der Punkte, die Rajoy im Wahlkampf bei aller Schwammigkeit seiner sonstigen Aussagen explizit ausgeschlossen hatte. Dann wird die Tarifautonomie eingeschränkt. Wenn Du rhetorisch fragst, ob die Convenios jetzt ungültig seien, dann ist die Antwort leider ja. Die Tarifverträge zum Schutz der Arbeitnehmer sollen in Zukunft durch Betriebsvereinbarungen ersetzt werden können. Wenn also ein Arbeitgeber in Zukunft ins Billiglohnland Mallorca ziehen will, dann macht der Chef mit seinen zuerst eingestellten leitenden Angestellten eine interne Vereinbarung und schon gibt es für die zukünftig einzustellenden Mitarbeiter z. B. keinen Arbeitszeitschutz mehr. Flexibilisierung nennt man das dann.

Und wenn dann der Arbeitnehmer UNGERECHTFERTIGT entlassen wird, dann soll das auch billiger werden. Wenn ein Chef weiss, dass seine teure Maschine mal kaputt gehen kann, dann spart er rechtzeitig Rückstellungen an, damit er sich später eine neue kaufen kann. Und wenn er seinen Mitarbeiter ohne Grund auf die Straße setzen will, dann muss er halt auch rechtzeitig entsprechende Rückstellungen bilden. Wo liegt das Problem. Natürlich wäre es besser, es gäbe eine entsprechende allgemeingültige Absicherung und man hätte die entsprechenden Zahlungen dorthin geleistet. Das entspricht aber nicht dem bisherigen spanischen System. Und jetzt werden die Arbeitgeber zum großen Teil von ihren Verpflichtungen entbunden, ohne dass eine entsprechende staatliche Absicherung gebildet wird. Das würde in Deutschland einer Regelung entsprechen, dass der Chef bei einem erwarteten neunmonatigen Rückgang des Ertrags die für die Arbeiter angesparten Betriebsrenten auflösen und für seine eigene Altersabsicherung verwenden darf.

Das magst Du als der Natur entsprechend bezeichnen. Ich bezeichne es als unmoralisch und unmenschlich.
 

Offline Vigoleis

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Antwort #25 am:
24, Februar, 2012, 11:48:53
Ein aktueller Artikel  über die Entwicklung in Spanien. Auch da (wie auch in Deutschland) klafft die Einkommens-Schere immer weiter auseinander. Was u.a. dazu führt, dass Zugang zu Bildung (Studium usw.) und damit zu höheren Einkommen für breite Schichten immer schwieriger wird, denn auch das will finanziert sein.

Vigoleis
« Letzte Änderung: 24, Februar, 2012, 11:50:32 von Vigoleis »

Offline herbstzeit

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Antwort #26 am:
24, Februar, 2012, 15:31:15
dass die Abfindungen von 45  auf 33, 30 oder 20 Tage/Jahr gesenkt werden konnten, war schon vor der Wahl Fakt. Und zwar dann, wenn die kündigende Firma als Grund einen entsprechenden Umsatzrückgang nachweisen konnte. Und dann zahlte der Arbeitgeber 60% und FOGASA (Fondo de Garantia Salarial) 40%.

Und was soll es denn, die, wenn auch jetzt gesetzlich niedrigere, Abfindung bleibt doch die gleiche: ob nach 1 Jahr oder 20 Jahren. Das weiß ein Unternehmer in Spanien im Voraus. Er kann auch jedes Jahr liquidieren, genau so, wie er die Extragehälter auf 12 Monate verteilen kann.

Und ich persönlich bin in den Jahren vor Europa auch hier beschissen worden und war, anstatt 2 Jahre nur 3 Monate sozial versichert.

In späteren Jahren weiß ich von Freunden, haben die Hoteliers ihre Mitarbeiter in den Paro geschickt und unterdessen mit ihnen im Winter das Hotel renoviert.... und schwarz bezahlt natürlich... aber netto selbstverständlich.

Übrigens hat mich mein letzter Chef in Deutschland auch um 2 Jahre S.S. beschissen. Eine eidesstattliche Erklärung wurde von der LVA abgelehnt, mit der Begründung, dass in den angegebenen Jahren keine  Rentenversicherungspflicht bestand.
« Letzte Änderung: 24, Februar, 2012, 15:35:55 von herbstzeit »
Ja, renn nur nach dem Glück,
doch renne nicht zu sehr,
denn alle rennen nach dem Glück,
das Glück rennt hinterher.
-Bertolt Brecht, Dreigroschenoper-

Offline Calagulla

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Antwort #27 am:
24, Februar, 2012, 16:12:27
Statt der hohen Rückstellungen für AN müssen diese Gelder in ein Sozialsystem eingezahlt werden welches im Kapitaldeckungsvefahren für den AN persönlich verwendet wird. Einen Teil dieser Beiträge muss dann für die  Absicherung der Allgemeinheit bereit gestellt werden "wie in der priv. Versicherungwirtschaft).Dadurch werden die AG zwar nicht entlastet, aber die Gelder können nicht im Konkursfall verschwinden.Ferner macht es dann für den AG keinen Sinn Zeitverträge abzuschließen um unkakulierbare Risiken zu vermeiden. Der zuverlässige und dem Betrieb gegenüber Verantwortungsvolle AN hat dadurch auch einen relativ sicheren Arbeitsplatz und eine Leistungsorientierte Alterversorgung.
Leistungsbezogene Tarifverträge würden auch die Bereitschaft der AG fördern  junge Leute auszubilden.
Die Politik ist dabei gefragt ein den Erfordernissen angepasstes Bildungssystem zu schaffen, und zwar schon in den Grundschulen.
Calagulla.

Payés

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Antwort #28 am:
24, Februar, 2012, 21:22:57
Und wenn er seinen Mitarbeiter ohne Grund auf die Straße setzen will, dann muss er halt auch rechtzeitig entsprechende Rückstellungen bilden. Wo liegt das Problem.

Ja klar, wenn er das kann. Sieh dir mal die Insolvenzstatistik an und dann sag mal, ob die was über hatten für Rückstellungen.

Wo liegt das Problem.

Na, das siehst Du doch, oder? Alles was arbeitsintensiv ist, das, was wir brauchen, nicht Riesen-Automatik-Fabriken, ist weg, in China oder sonst wo. Wer kauft denn noch die teureren Schuhe aus Elche, die schöne Konfektion aus Alicante.  Kleinteile, jetzt sogar Elektroinstallationsmaterial, Klimageräte, CDs, Mobiltelefone, alles was hier mal zusammengebaut wurde, ist weg.
 
Ich hab ja mal in Berlin gelernt, das hatten wir eine Riesenkonfektion mit Durchreise 2 mal im Jahr und Arbeit für Zig-Tausende. Nichts gibt es davon noch, nichts.

Und ich habe meine Zweifel, dass Du, der Du den kostentreibenden Sozialstatus forderst, auf dass alles bleibe wie es ist,  auf das Etikett siehst - so wie wir das tun - und europäisch kaufst.

Ja und dann zur Schwarzarbeit, richtig, das Krebsgeschür in Spanien: Aber, es gehören immer 2 dazu, einer der arbeitet und gleichzeitig Stütze bezieht und einer der arbeiten läßt.

Dieter



 

Payés

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Antwort #29 am:
24, Februar, 2012, 21:35:11
Hier mal eine schöne Nachricht, wie die Gewerkschaft mit ihren Arbeitnehmern umgeht: Man hofft, dass die leute freiwillig gehen, dann sind natürlich keine Entschädigungen notwendig.

CC OO de Cataluña ha presentado una propuesta de Expediente de Regulación de Empleo para reducir su plantilla en 50 personas, que se intentará que salgan de bajas voluntarias, jubilaciones anticipadas y reducciones de jornada.

Quelle ist: 5 DIAS






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